Semester-Gedanke

Mut zum Aufbruch - Wenn das Weltbild sich weitet

Was in diesem Mann vorgeht? Der Besanmast ächzt unter dem Lateinersegel. Mit beiden Händen umfasst er die Reling. Schon ist das Land kaum mehr als ein dünner Strich am Horizont. Der 3. August 1492 ist ein Freitag. Cristobál Colón ist 41 Jahre alt. Er hat Bücher an Bord der Santa Maria und vage Karten. Und seinen unerschütterlichen Glauben, dass dort draußen Land sein wird. Sein Blick irrlichtert über die Wasserwüste. Er liest den wachsenden Zweifel in den Augen seiner Gefährten. Was diesen Mann jetzt bewegen mag? Ihn und all die anderen, die es je wagten, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen? In diesem Semester erweisen wir ihnen unsere Referenz.

Reden wir also über die Entdecker und Forscher. Ob er nun am Firmament seine Augen weiden lässt oder den innersten Bauplan des Menschen durchstöbert; immer ist so eines Menschen Neugier größer als seine Angst. Wir aber, die wir zuhause bleiben, ernten die Früchte fremden Muts. Dankbar, wenn die Gentechnik unser Leben verlängert. In Selbstverständlichkeit umgeben von Dingen des Alltags, die es ohne Entdeckergeist nie gäbe. Sportschuheinlagen und Rauchmelder etwa verdanken sich der Raumfahrt…

Wir also im Lehnstuhl, indessen andere die Welt erkunden. Aber kommt die Welt nicht inzwischen zu uns? Dringen nicht Millionen Bilder auf uns ein? Katapultiert es uns nicht tagtäglich raus aus unserer Bequemlichkeit und hinein in den Hexensabbat der Aktualität? Sehen nicht auch wir das feste Land entschwinden?

Der Mut fürs Ungewisse zählt zum Grundrüstzeug des Menschen im 21. Jahrhundert. Wenn wir also über die Entdecker reden – seien wir dessen gewahr – dann reden wir immer auch ein wenig über uns selbst.

Über uns

Das Montagsforum ist eine universitäre, interdisziplinäre Veranstaltungsreihe im Kulturhaus Dornbirn, die sich in erster Linie an ältere Menschen mit wachem und offenem Geist richtet und allen Interessierten offensteht.

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