Semester-Gedanke

Gut. Böse. Menschlich.

Zugegeben: Es fängt nicht gut an. Die Bibel beginnt mit Vertreibung und Brudermord. Hatte Thomas Hobbes also recht, der den Menschen für argwöhnisch und böse hielt und den Krieg aller gegen alle voraussah? Dann müssten wir Jean-Jacques Rousseau aus unseren Bücherregalen verbannen, der den Menschen im Naturzustand als glücklich und mitfühlend beschrieb.

Doch das fällt schwer. Ohne Rousseau fehlt der Gesellschaftsvertrag – und damit neben Montesquieus Idee der Gewaltenteilung ein entscheidender Anstoß zur Demokratie. Wir müssten die Überzeugung aufgeben, dass alle Menschen frei und gleich geboren sind und selbst bestimmen sollten, wie sie leben. Denn wenn der Mensch von Natur aus böse wäre, würde er die Freiheit nur missbrauchen. Er bräuchte keine Befreiung, sondern Zügel – wie ein Raubtier im Käfig.

So funktioniert Schwarz-Weiß-Denken. Es führt uns direkt zur Herrschaft des starken Mannes, der das Böse bekämpft. Ein strahlender Held. Er belohnt seine Anhänger, die sich moralisch auf der richtigen Seite wähnen. Spüren Sie ein Unbehagen? Gut. Denn so einfach ist es nicht.

Alexander Solschenizyn schreibt in seinem Buch über den „Archipel Gulag“: „Allmählich wurde mir offenbar, dass die Linie, die Gut und Böse trennt, nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien verläuft, sondern quer durch jedes Menschenherz. […] Selbst in einem vom Bösen besetzten Herzen hält sich ein Brückenkopf des Guten. Selbst im gütigsten Herzen ein uneinnehmbarer Schlupfwinkel des Bösen.“

Wir tragen beides in uns. Und wir wählen – in der Wahlkabine, am Arbeitsplatz, privat, im Netz. Täglich.

Die Veranstaltungen entsprechen den Kriterien des Österreichischen
Umweltzeichens für Green Meetings/Events.

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Das Montagsforum ist eine universitäre, interdisziplinäre Veranstaltungsreihe im Kulturhaus Dornbirn, die sich in erster Linie an Menschen mit wachem und offenem Geist richtet und allen Interessierten offensteht.

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