09. Nov. 2026, 09:30 - 11:30 Uhr

Umweltkompetenz: Ökologische Bildung und umweltgerechtes Handeln lernen

Umweltkompetenz wird häufig mit Umweltwissen gleichgesetzt. Wer genug weiß, so die Annahme, handelt auch entsprechend. Die empirische Forschung zeigt ein anderes Bild: Zwischen Wissen und Handeln klafft eine Lücke, die sich durch mehr Information allein nicht schließen lässt. Menschen entscheiden nicht als isolierte, vollständig informierte Nutzenmaximierer, sondern eingebettet in Gewohnheiten, soziale Normen, Infrastrukturen, Preissignale und institutionelle Regeln. Umweltgerechtes Handeln ist deshalb immer beides: eine Frage individueller Fähigkeiten und eine Frage der Verhältnisse, in denen diese Fähigkeiten wirksam werden können.

Der Vortrag entwickelt aus Sicht der Ökologischen Ökonomie ein erweitertes Verständnis von Umweltkompetenz. Dazu gehören das Verstehen von Systemzusammenhängen und Rückkopplungen, der Umgang mit Unsicherheit und langen Zeithorizonten, die Fähigkeit, Zielkonflikte zu erkennen und auszuhalten, und nicht zuletzt die Kompetenz, gemeinsam mit anderen zu Entscheidungen zu kommen. Historische und kulturelle Formen der Gemeinressourcennutzung zeigen, dass solche Kompetenzen keine Erfindung der Gegenwart sind, sondern über Generationen in Institutionen und Praktiken eingeschrieben wurden.

Daraus folgt ein Verständnis ökologischer Bildung, das über Wissensvermittlung hinausgeht: Lernen im Handeln, in realen Entscheidungssituationen, in partizipativen und deliberativen Formaten, in denen Konflikte nicht vermieden, sondern bearbeitet werden. Der Vortrag zieht dazu Befunde aus der Beteiligungsforschung heran und fragt abschließend, welche Rolle Bildungseinrichtungen, Medien und Politik dabei zukommt, Umweltkompetenz nicht nur zu fordern, sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen sie sich in Handeln übersetzen kann.