Kunst und Verbrechen. Gibt es eine Ästhetik des Bösen?
Warum übt das Böse eine so anhaltende Faszination aus – gerade in der bildenden Kunst? Der Vortrag geht der Frage nach, ob es eine eigenständige „Ästhetik des Bösen“ gibt oder ob wir moralische Kategorien nachträglich in Kunstwerke hineinlesen.
Ausgehend von den Überlegungen des Literaturtheoretikers Karlheinz Bohrer wird untersucht, wie das Negative, der Schock und die Grenzüberschreitung als ästhetische Kategorien wirken. Ein historischer Rückblick auf Künstler wie Benvenuto Cellini oder Caravaggio zeigt, dass Gewalt und Genie seit der Renaissance eng miteinander verknüpft wurden.
Im Zentrum stehen jedoch moderne und zeitgenössische Positionen: die düsteren Bildwelten Alfred Kubins sowie die Aktionen und späteren Verbrechen Otto Mühls. Dabei stellt sich die zentrale Frage, ob sich reale Gewalttaten ikonografisch im Werk niederschlagen – oder ob Werk und Täter voneinander zu trennen sind.
Der Vortrag spannt zudem einen Bogen zu Literatur, Film und Musik und diskutiert die heutige Verantwortung von Museen und Öffentlichkeit im Umgang mit Künstlern, die nachweislich Verbrechen begangen haben.
Eine kritische Reflexion über Kunst, Moral und die bleibende Macht der Bilder.