Univ.-Prof. em. Dr. Franz Zelger

Curriculum

1941 in Luzern geboren. Studium der Kunstgeschichte, der Klassischen Archäologie und der Volkskunde an der Universität Zürich. 1969 Studienabschluss mit einer Dissertation über den Historienmaler Ernst Stückelberg.

1969-1975 wissenschaftlicher Assistent an der Stiftung Oskar Reinhart in Winterthur, 1975-1983 Konservator dieses Museums (heute: Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten). 1980 Visiting Fellow an der Australian National University in Canberra. Mehrere Lehraufträge an den Universitäten Bern und Zürich.

1983-2007 Professor für Kunstgeschichte an der Universität Zürich, seit 1990 Ordinarius. 1995 Finnland-Research-Stipendium. 1996-2002 Vorsteher des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich. 2000-2002 Prodekan, 2002-2004 Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich.

Sommersemester 2004 Gast am Centre Allemand d’Histoire de l’Art in Paris. Wintersemester 2004/05 Gast des Rektors am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Publikationen

  • Veröffentlichungen zur europäischen Malerei des 17. bis 20. Jahrhunderts, Schwergewicht 19. Jahrhundert.
  • Aufsätze in Fachzeitschriften und Tageszeitungen, vor allem in der NZZ. Bildbetrachtungen im Schweizerischen Beobachter von 1978 bis 1982. Georges-Bloch-Jahrbuch des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich, Mitherausgeber seit 1994.

Forschung

Forschungsinteressen und -schwerpunkte:

Landschaftsmalerei und Gartenkunst
Arnold Böcklin und die Schweizer Historienmalerei
Die Kunst der Deutschrömer

Aktuelles Forschungsprojekt:

Die „grüne Revolution“ und die Folgen.
Landschaftsmalerei und Gartenkunst – ihre wechselseitige Beziehung seit dem 18. Jahrhundert

Im Rahmen meiner langjährigen Beschäftigung mit dem Thema Landschaftsmalerei möchte ich vom neuen Landschaftsgartenideal, das mit Beginn des 18. Jahrhunderts theoretisch in England entwickelt und in den zwanziger Jahren realisiert worden ist, ausgehen. Es trat an die Stelle des geometrisch-architektonischen Gartenstils französischer oder holländischer Prägung, welcher der Natur eine rational fassbare äussere Form aufgezwungen hatte. Dazu kam der politische Aspekt. Der französische Garten wurde als ein die Natur unterdrückendes absolutistisches Machtsymbol verstanden. Mit der Ablehnung der rationalistischen Auffassung ging die Vergöttlichung der freien Natur einher, die nun als Schöpfung Gottes, als sittlich-moralische Kraft voller Ordnung und Schönheit verstanden wurde. Mit dem Ende des Siebenjährigen Krieges wurde auf dem Kontinent das neue Landschaftsgartenideal mit demselben Enthusiasmus adaptiert. Die moralphilosophisch orientierte Auffassung der Spätaufklärung sah im Naturverständnis eine neue Möglichkeit, ihr auf die Eudämonie des Menschen ausgerichtetes Erziehungsprogramm in der Natur und Kunst, im speziellen der Gartenkunst, zu realisieren. Dieses neue Gartenideal basiert auf Schriften von Theoretikern, die von der Moralphilosophie geprägt waren wie Hagedorn, Sulzer oder Hirschfeld. In meinen Forschungen sollen aus der Fülle von geistesgeschichtlichen Kriterien insbesondere drei Aspekte der Gartentheorie beleuchtet werden: der wirkungsästhetische, der moralische und der philosophisch-theologische. Zu untersuchen sind der Weg von der Naturszenerie zur Natur als „realem Landschaftsgemälde“, die Bedeutung der idealen Landschaftsmalerei und der „Grand Tour“ als konstitutive Elemente der Gartengestaltung sowie der Einfluss des Horaz’schen „Ut pictura poesis“ auf die Rezeption der Natur. Wichtig ist eine kurze Auseinandersetzung mit Alexander Popes „All gardening is landscape painting“. Mit der Übertragung der Stilprinzipien der Landschaftsmalerei, wie Perspektive, Farbabstufungen, Licht und Schatten, Einfügen von Architektur- und Naturelementen, hat Pope den Weg für die Loslösung der Gartenkunst aus der Herrschaft der Architektur gebahnt und diese unter die Ägide der Landschaftsmalerei gestellt. Es bleibt aufzuzeigen, wie die Beschäftigung mit der Malerei die ästhetische Wahrnehmung der Natur beeinflussen konnte, wie die Änderung der formalen Struktur des Gartens eng mit der strukturellen Unwandlung der ästhetischen Landschaftsschau zusammenhängt. Darüber hinaus auch politische, soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinzubeziehen, ist unabdingbar. Davon ausgehend soll der Gegenüberstellung von geometrischer Strenge der Gartenarchitektur und unkultivierter Natur an exemplarischen Beispielen mit Bezug auf die Landschaftsmalerei bis in die Gegenwart nachgegangen werden. Als aktuelles Beispiel sei etwa Peter Greenaways Film The Draughtman’s Contract genannt, wo Barockgarten und ein die Natur nachahmender Landschaftsgarten voller psychologischer Bezüge sind.

Vorträge

Gastvorträge an diversen Universitäten und Museen, u. a. in Beijing (Beida Daxu University), Cleveland (Museum of Art), Darmstadt (Hessisches Landesmuseum), Kansas City (University of Missouri), Köln (Wallraf-Richartz-Museum), London (National Gallery), Minneapolis (Institute of Arts), München (Neue Pinakothek, Haus der Kunst, Schack-Galerie), Rovaniemi (Museum of Art), St. Louis (Washington University), St. Petersburg (Eremitage), Toledo, Ohio (University of Toledo), Basel, Bern, Frankfurt a. M., Freiburg i. Br., Genf, Helsinki, Lausanne, Lyon, Mainz, Regensburg und Wien.

Kuratorische und museologische Tätigkeit

1969-1975 wissenschaftlicher Assistent an der Stiftung Oskar Reinhart in Winterthur, 1975-1983 Konservator dieses Museums (heute: Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten).

Mitarbeit an Ausstellungen, als Hauptverantwortlicher oder als Betreuer von studentischen Arbeitsgruppen, u. a.
1978: Robert Zünd, Kunstmuseum Luzern.
1985: „Ich male für fromme Gemüter“. Zur religiösen Malerei im 19. Jahrhundert, Kunstmuseum Luzern.
1987: Hans Emmenegger, Kunstmuseum Luzern.
1994: Körper – Fragment – Wirklichkeit, Kunstmuseum Solothurn.

Mandate

Präsident der Briner-Stiftung, Winterthur; Stiftungsrat der Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich; Mitglied der Ankaufskommission Rietberg-Museum, Zürich; Forschungsrat des Instituts für Kulturforschung Graubünden, Chur; Stiftungsrat der Segantini-Stiftung, St. Moritz; Stiftungsrat der Stiftung Künstleratelier Arnold Böcklin, Zürich; Mitglied der Schulkommission der Kantonsschule Birch, Zürich.

E-Mail: f.zelger@access.uzh.ch