Bischof Erwin Kräutler

Erwin Kräutler trat 1958 nach seiner Matura in Feldkirch (Vorarlberg) in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut ein. Danach studierte er Theologie und Philosophie an der Universität Salzburg. 1965 empfing Kräutler die Priesterweihe; noch im selben Jahr wurde er als Missionar zum unteren Río Xingú und Amazonas in Brasilien entsandt.

Am 7. November 1980 wurde er von Papst Johannes Paul II. als Nachfolger seines Onkels Erich Kräutler zum Bischof der flächenmäßig größten brasilianischen Territorialprälatur Xingu (350.000 km²) ernannt (Weihe am 25. Januar 1981). Von 1983 bis 1991 war Kräutler Präsident des Indianermissionsrats der Brasilianischen Bischofskonferenz CIMI. 2006 wurde er erneut Präsident des CIMI, nachdem der amtierende Präsident Bischof Franco Masserdotti tödlich verunglückt war. Sein engster Mitarbeiter ist sein Generalvikar P. Fritz Tschol.

„Dom Erwin“ gilt als sehr volksverbundener Bischof.

1982 wird Kräutler wegen Teilnahme an einer Solidaritätsaktion mit Zuckerrohrpflanzern, denen die Ernte nicht bezahlt wurde, von der Militärpolizei festgenommen und verprügelt. Am 16. Oktober 1987 wird Kräutler durch ein Attentat schwer verletzt: Ein Kleinlastwagen fährt frontal in seinen PKW. Ein Mitbruder wird dabei getötet. Nach der Ermordung der Umweltaktivistin Dorothy Stang im Jahr 2005 wurde Erwin Kräutler wiederholt mit dem Tod bedroht, da er auch Hintermänner vor Gericht bringen wollte. Weitere Gründe für Morddrohungen sind sein Widerstand gegen das Staudammprojekt Monte Belo und seine Anzeigen gegen einflussreiche Personen in Altamira wegen sexuellem Missbrauch von Kindern und Kinderprostitution.

Im Jahre 2010 wurde er für seinen Einsatz für die Menschenrechte der Indios und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes im Amazonas-Gebiet mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Bestrebungen für die Armen und die Kirche

„Dom Erwin“, wie Kräutler in Amazonien genannt wird, gehört seit langem zu jenen Bischöfen Südamerikas, die ohne Scheu die „Option für die Armen“ vertreten. Diese Überzeugung, dass eine liebevolle Seelsorge unter den Indios und der sozialen Unterschicht mit einer Bekämpfung der Armut einhergehen muss, ist durch das Wirken Kräutlers und vieler anderer Priester seit einigen Jahrzehnten in der Bevölkerung Lateinamerikas und zunehmend auch für konservative Bischöfe unbestritten. Er erschuf Geburtshäuser für indianische Mütter, da die Krankenversorgung für werdende Mütter sehr schlecht ist.

Kräutler tritt für dieses – direkt auf Jesus zurückführbare – Ziel neben seiner Arbeit und seinen Bootsreisen auch durch Vorträge und Bücher auf seinen alljährlichen Heimaturlauben in Europa ein.

So sagte er im Advent Dezember 2006 in einem Ö1-Interview, dass es unter den Armen Südamerikas schwer zu ertragen sei, wie die Bevölkerung Europas – und auch viele Christen – Weihnachten zu einem Fest voller Konsum, prunkvoller Geschenke und wirtschaftlicher Konkurrenz gemacht hätten. Und das, obwohl Jesus Christus als Kind einer armen Familie zur Welt gekommen sein. Es falle ihm angesichts dieser Säkularisierung des „Festes der Liebe“ in der nachweihnachtlichen Zeit oft schwer, die Zweifel südamerikanischer Christen an der Gerechtigkeit Gottes auszuräumen.

Interessanterweise bringt Kräutler diese Gedanken nicht in Form eines Appells zu Ende, sondern überlässt es allein seinen Zuhörern, daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Dies macht ihn nicht nur in Brasilien, sondern auch in den Vortragssälen Europas zu einem glaubwürdigen Zeugen der von ihm oft angesprochenen Liebe Gottes.

Zitate

Wenn einer sagt, die Befreiungstheologie hat ausgedient, dann hat sein Christentum ausgedient. (ein Satz, der erst im Zusammenhang des Interviews völlig verständlich wird). Wir müssen von unserem ethnozentrischen und eurozentrischen Denken und Handeln, auch in der Kirche gibt es ein kolonialistisches Gehabe, abkommen und die indianischen Kulturen achten und auf sie Rücksicht nehmen. Es geht nicht darum, diesen Menschen ein abendländisches Glaubenspaket zu übergeben, sondern zunächst einmal darum, in einem solidarischen Mit-Leben zu erfahren, wie sie denken, wie sie selbst sind“

Schriften

Mein Leben ist wie der Amazonas, 1992, ISBN 3-451-08815-0
500 Jahre Lateinamerika – kein Grund zum Feiern, 1992, ISBN 3-85452-314-9
Kirche mit indianischem Antlitz, 1993, ISBN 3-85452-320-3
Die Nacht ist noch nicht vorüber, 1993, ISBN 3-451-08781-2
Lebenswelten und Problemfelder in Amazonien heute, 2006, ISBN 3-85452-524-9

Literatur

Dolores Bauer: Strom des Elends – Fluß der Hoffnung, 1989, ISBN 3-7013-0774-1
Verena Daum (Text) Miro Kuzmanovic (Fotografien): Dom Erwin, 2006, ISBN 3-902525-28-2