Altbischof Erwin Kräutler

Geboren 1939 in Koblach, Vorarlberg

Studium und Werdegang

1958 Eintritt in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut
1959 – 1965 Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Salzburg
1965 Priesterweihe
ab 1965 Missionar in Brasilien
In den ersten Jahren ist er als ‚Wandermissionar‘ am Unteren Xingu und Amazonas unterwegs und übernimmt im Hafenort Vitória die Seelsorge. Ein Jahr leitet er die Pfarre Souzel.

1980 – 2015 Ernennung als Nachfolger seines Onkels Erich Kräutler zum Bischof der flächenmäßig größten brasilianischen Territorialprälatur Xingu (350.000 km²) durch Papst Johannes Paul II.
1983 – 1991 Präsident des Indianermissionsrats der Brasilianischen Bischofskonferenz CIMI
2006 Präsident des CIMI, nachdem der amtierende Präsident Bischof Franco Masserdotti tödlich verunglückt war.

„Dom Erwin“ gilt als sehr volksverbundener Bischof.

1982 wird Kräutler wegen Teilnahme an einer Solidaritätsaktion mit Zuckerrohrpflanzern, denen die Ernte nicht bezahlt wurde, von der Militärpolizei festgenommen und verprügelt.
1987 wird Kräutler durch ein Attentat schwer verletzt: Ein Kleinlastwagen fährt frontal in seinen PKW. Ein Mitbruder wird dabei getötet. Nach der Ermordung der Umweltaktivistin Dorothy Stang im Jahr 2005 wurde Erwin Kräutler wiederholt mit dem Tod bedroht, da er auch Hintermänner vor Gericht bringen wollte. Weitere Gründe für Morddrohungen sind sein Widerstand gegen das Staudammprojekt Monte Belo und seine Anzeigen gegen einflussreiche Personen in Altamira wegen sexuellem Missbrauch von Kindern und Kinderprostitution.

Bestrebungen für die Armen und die Kirche

„Dom Erwin“, wie Kräutler in Amazonien genannt wird, gehört seit langem zu jenen Bischöfen Südamerikas, die ohne Scheu die „Option für die Armen“ vertreten. Diese Überzeugung, dass eine liebevolle Seelsorge unter den Indios und der sozialen Unterschicht mit einer Bekämpfung der Armut einhergehen muss, ist durch das Wirken Kräutlers und vieler anderer Priester seit einigen Jahrzehnten in der Bevölkerung Lateinamerikas und zunehmend auch für konservative Bischöfe unbestritten. Er erschuf Geburtshäuser für indianische Mütter, da die Krankenversorgung für werdende Mütter sehr schlecht ist.

Kräutler tritt für dieses – direkt auf Jesus zurückführbare – Ziel neben seiner Arbeit und seinen Bootsreisen auch durch Vorträge und Bücher auf seinen alljährlichen Heimaturlauben in Europa ein.

So sagte er im Advent Dezember 2006 in einem Ö1-Interview, dass es unter den Armen Südamerikas schwer zu ertragen sei, wie die Bevölkerung Europas – und auch viele Christen – Weihnachten zu einem Fest voller Konsum, prunkvoller Geschenke und wirtschaftlicher Konkurrenz gemacht hätten. Und das, obwohl Jesus Christus als Kind einer armen Familie zur Welt gekommen sein. Es falle ihm angesichts dieser Säkularisierung des „Festes der Liebe“ in der nachweihnachtlichen Zeit oft schwer, die Zweifel südamerikanischer Christen an der Gerechtigkeit Gottes auszuräumen.

Interessanterweise bringt Kräutler diese Gedanken nicht in Form eines Appells zu Ende, sondern überlässt es allein seinen Zuhörern, daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Dies macht ihn nicht nur in Brasilien, sondern auch in den Vortragssälen Europas zu einem glaubwürdigen Zeugen der von ihm oft angesprochenen Liebe Gottes.

Zitate

Wenn einer sagt, die Befreiungstheologie hat ausgedient, dann hat sein Christentum ausgedient (ein Satz, der erst im Zusammenhang des Interviews völlig verständlich wird).
Wir müssen von unserem ethnozentrischen und eurozentrischen Denken und Handeln, auch in der Kirche gibt es ein kolonialistisches Gehabe, abkommen und die indianischen Kulturen achten und auf sie Rücksicht nehmen.
Es geht nicht darum, diesen Menschen ein abendländisches Glaubenspaket zu übergeben, sondern zunächst einmal darum, in einem solidarischen Mit-Leben zu erfahren, wie sie denken, wie sie selbst sind.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

2018 Paulo-Frota-Medailla
2016 Bayrischer Naturschutzpreis
2016 Memminger Freiheitspreis
2012 Leopold-Kunschak Preis
2010 Alternativer Nobelpreis
2009 Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
2009 Doktor der Theologie honoris causa, Paris-Lodron-Universität Salzburg
2008 Grüner Preis der Amerikas, Forum Greenmeeting mit Unterstützung der Vereinten Nationen, der Organisation Amerikanischer Staaten, brasilianischer Regierungsorgane, nationaler und internationaler Organisationen
2007 Preis Alceu Amoroso Lima für Menschenrechte, Zentrum Alceu Amoroso Lima der Universität Cândido Mendes, Petrópolis, Brasilien
2007 Chico Mendes Medaille, Organisation „Nie wieder Folter“ Rio de Janeiro
2006 Ehrenbürger von Uruará
2006 Goldenes Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg
2006 José Carlos Castro-Preis für die Verteidigung der Menschenrechte und das Leben in Amazonien
2005 Viktor-Frankl-Preis
2004 GLOBArt Award
2002 Konrad-Lorenz-Preis
2001 Ehrenring von Koblach
1996 Ehrenbürger von Ourilândia do Norte
1993 Doktor der Theologie honoris causa, Fakultät Katholische Theologie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
1992 Ehrendoktorrat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
1992 Dr.-Toni-Ruß-Preis
1992 Doktor der Theologie honoris causa, Theologische Fakultät Luzern
1992 Ehrenbürger von Altamira
1992 Dr.-Karl-Renner-Preis
1991 Dr. Bruno Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte
1989 Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz
1988 Erzbischof Oscar A. Romero-Preis

Publikationen (Auswahl)

Mein Leben für Amazonien. An der Seite der unterdrückten Völker, Topos plus, 2018
Als Gott einer von uns wurde. Gedanken zur Weihnachtsbotschaft, Tyrolia, 2017
Gerechtigkeit für Brasiliens indigene Völker, Picus Verlag, 2016
Habt Mut! Jetzt die Welt und die Kirche verändern, Mitautor: Bruckmoser Josef, Tyrolia, 2016
Kämpfen, glauben, hoffen. Mein Leben als Bischof am Amazonas, Vier Türme, 2011
Lebenswelten und Problemfelder in Amazonien heute, Picus Verlag, 2006