Das Montagsforum trauert um seinen Gründer

Dr. Heinz Bertolini im Alter von
90 Jahren verstorben

Er liebte den gepflegten Austausch, mit oberflächlichem Geplänkel wusste er nichts anzufangen. Wenn sich Montag für Montag mehr als 750 Frauen und Männer im Dornbirner Kulturhaus mit Fragen der Geisteswissenschaften befassen, dann ist das sein Werk: Der 1935 in Dornbirn geborene Dr. Heinz Bertolini hat dem Land Vorarlberg mit dem Montagsforum ein kostbares Erbe hinterlassen, das im deutschen Sprachraum seinesgleichen sucht. Am 25. Jänner 2026 ist der Gründer und langjährige Leiter des Forums in seinem Haus in Dornbirn-Kehlegg verstorben.

Die Geburtsstunde des Montagsforums schlug 2003. Nachdem der Diplomkaufmann Heinz Bertolini seine Studien der Geschichte, Theologie und Islamistik in Bamberg und Wien abgeschlossen hatte, gründete er den Verein Europäische Akademie für Geschichte. Die Seminarräume der Dornbirner Sparkasse konnten den Besucherandrang zu den Vorträgen bald nicht mehr fassen. Schon nach wenigen Jahren zog das Montagsforum ins Kulturhaus um.

Seither kommen namhafte Referentinnen und Referentinnen nach Dornbirn, sprechen und diskutieren über Themen aus Geschichte, Philosophie, Theologie, Kultur, Bildung, Psychologie, Naturwissenschaft und Gesellschaftspolitik. Das Montagsforum machte Schule: Im Februar 2014 eröffnete das Montagsforum Ostschweiz in St. Gallen sein erstes Semester, unterstützt und gefördert durch die Wirtschaftsuniversität HSG. In Ravensburg stößt „Humpis Montagsforum“ nach Dornbirner Vorbild seit 2018 auf rege Nachfrage.

Das alles war nur möglich, weil ein offener, kritischer Geist mit großer Lust am ehrlichen Diskurs an der Wiege stand. Dabei hätte Bertolinis Arbeitsleben schon für zwei gereicht: Wirtschafsstudium in Wien, Aufbau der Unternehmen „Bertolini Mode“ und „Dr. Bertolini Studienreisen“, Geschäftsführung der Vorarlberger Akademikervereinigung und in den späten 1960er-Jahren Gründung des „Einkaufszentrum Dornbirn“. Und doch: In der Pension machte sich Bertolini noch einmal auf den Weg, erschloss sich an den Universitäten ein wunderbares Netz von Wegbegleitern, zu denen u. a. auch der Benediktiner Anselm Grün und der tschechische Philosoph Tomáš Halík zählten.

Mit 80 Jahren zog sich Dr. Heinz Bertolini aus der Leitung des Montagsforums zurück, das heute zusätzlich ein „Montagsforum am Sonntag“ etabliert hat, um dem enormen Publikumsinteresse gerecht zu werden. Bis in seine letzten Tage verfolgte Bertolini aufmerksam den Fortschritt seines Forums vom Krankenbett in seinem Haus in Kehlegg aus.

Was bleibt? Wir verlieren mit Dr. Heinz Bertolini einen Wegbereiter und Visionär, den väterlichen Freund und ein großes Vorbild. Über den Weg alles Irdischen und über die Gottesfrage hat Heinz Bertolini lange nachgedacht. Er war überzeugt davon, dass der Mensch im Tod Gott begegnet. Oder um es mit Anselm Grün OSB zu sagen: „Der Tod ist nicht einfach das Ende, sondern die Vollendung, sodass im Tod all unsere Sehnsüchte erfüllt werden.“

Heinz Bertolinis Leben bleibt uns eine große Inspiration.

Wir sind ihm von Herzen dankbar.