Herbstsemester 2020

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

oh, wir hatten hoch oben angesetzt: Musste ein Semester über das Wissen nicht wenigstens mit Goethes Faust übertitelt und von einem Philosophen der Aufklärung eingeleitet werden? „Doch möcht’ ich alles wissen …“ Herrlich roch das nach alten Folianten, ein Pfeifchen schmauchend, den Cognac angewärmt und griffbereit … Und dann, ehe wir uns in den Lehnsessel sinken lassen, der Hammerschlag: „Wissen ist Macht.“ Alles gesagt. So einfach ist das. Also ran an …

… ja, wo ran eigentlich? An die Genugtuung, dass klüger sein als andere schlicht Freude macht? Da hatte die Corona-Pandemie unseren Alltag schon durcheinandergewirbelt und uns allesamt auf höchst bedürftigem Niveau zurückgelassen: Waren wir noch immer wissbegierig? Aber wie! Wissen, wie das alles ausgehen wird, wäre fein gewesen. Oder wer sich schon infiziert hat – auch nicht schlecht! Ob die Wirtschaft das aushält? Wann Kinder und Enkel wieder zu Besuch kommen dürfen? Wie abnormal wird sich die neue Normalität wohl gestalten? Und vor allem: Wie brüchig wird sie sein?

Das alles trieb uns um. Über Nacht hatte das Wissen existentielle Züge angenommen. Der alte Goethe im Regal konnte schon froh sein, wenn er nicht auch desinfiziert wurde im Vorübergehen. Und Francis Bacon? Der streicht über seinen Spitzbart und schaut uns unverwandt an. Herausfordernd, gewissermaßen. Denn seinen Gedanken von der Macht des Wissens hat er 23 Jahre später 1620 noch einmal niedergeschrieben, aber diesmal ausführlicher: „Wissen und Macht des Menschen fallen zusammen, weil Unkenntnis der Ursache über deren Wirkung täuscht.“

Hat uns der kleine Virus nicht ausreichend Zeit in die Hände gespielt, um über die Ursache der Krise nachzudenken? Auf dass wir wieder wirkmächtig werden statt ohnmächtig? Nun denn: Wissen 2.0. Wir gehen’s noch mal an. Sie sind doch dabei, oder?

Thomas Matt

Neue Geschäftsführung beim Montagsforum

Bettina Barnay übernimmt zur Jahreswende – Birgit Brida wechselt zu „Origen“

Dornbirn. Ende 2019 wechselt die Geschäftsleitung beim Montagsforum: Birgit Brida übernimmt Agenden beim schweizerischen Origen Festival Cultural, an ihre Stelle beim Montagsforum tritt die ORF-Moderatorin und Kulturschaffende Bettina Barnay.

Bettina Barnay
Bettina Barnay
Birgit Brida
Birgit Brida

Das Montagsforum ist eine der erfolgreichsten interdisziplinären Veranstaltungsreihen im Bodenseeraum. 24 Mal im Jahr führt das Symposium stets am Montagvormittag an die 800 Hörerinnen und Hörer zu Themen aus Geisteswissenschaft, Gesellschaftspolitik und Naturwissenschaften ins Dornbirner Kulturhaus. Birgit Brida, Geschäftsführerin der ersten Stunde, wechselt nun nach 17 Jahren in eine neue Aufgabe beim Origen Festival Cultural in Riom. Bettina Barnay, langjährige Kulturmitarbeiterin bei ORF Radio Vorarlberg, wird mit Jahreswechsel neue Geschäftsführerin des Montagsforums.

Entstanden aus einer privaten Initiative von Dr. Heinz Bertolini ist das Montagsforum dank namhaftester Referenten zu einem lebendigen Zentrum der Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur, aber auch mit brandaktuellen Themen geworden. Birgit Brida zeichnete vom Beginn im Jahre 2003 an als Geschäftsführerin für den reibungslosen organisatorischen Ablauf und gemeinsam mit Vorstand und seit 2015 auch einem Beirat für die Semesterprogramme verantwortlich.

Die langjährige ORF-Mitarbeiterin Bettina Barnay hat sich in zahlreichen Produktionen von Ö1 und „Radio Vorarlberg Kultur“ einen Namen gemacht. Sie beendet nun ihre Radiokarriere zugunsten der Geschäftsführung des Montagsforums.

Der Verein Europäische Akademie für Geschichte und Kultur trägt das Forum. Dr. Christine Rhomberg, Mitglied der Geschäftsleitung der Hilti Foundation in Schaan/Liechtenstein, fungiert seit 2015 als Vorstandsvorsitzende. „So ungern wir Birgit Brida ziehen lassen – wir wünschen ihr alles nur erdenklich Gute – so sehr freuen wir uns, dass wir mit Bettina Barnay eine arrivierte Kulturschaffende als Nachfolgerin gewinnen konnten.“ Das Montagsforum wurde erst im vergangenen Jahr durch eine Vortragsreihe in der inatura erweitert und soll auch mit Exkursionen beständig weiterentwickelt werden.